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Stoned from the Underground 2026 Live Report



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ambiente


Wir bedanken uns ganz herzlich beim Orga-Team für die Einladung zum diesjährigen Stoned from the Underground. War unser Jahreswechsel bislang das Hellfest, so hat das Stoned diese Position übernommen. Wir sind immer wieder fasziniert, welche Bands und Stile das Orga-Team aus dem Hut zaubert und welches Publikum das jeweilige Programm anzieht. Neben der Musik ist es die einzigartige Community, die sich alljährlich hier trifft. Gespräche gehen nahtlos vom letzten oder vorletzten Festival weiter und neue Freundschaften werden geknüpft. 

Wir sind sehr dankbar, ein Teil dieser Szene zu sein und dass das Stoned uns dabei teilhaben lässt.


Warm-up, 8.7.2026

Walking talking stephen hawking

WTSH lieferten zum Warm-up einen hippeligen Garage-Punk-Set up, der sowohl die Stehenden als auch die Sitzenden an der Beach-Bar zum Bewegen brachte. Das war ein prima Einstieg ins Festival, ganz viel Rock´n Roll, mit ein Quäntchen Dreck aus der Garage, was bei den Anwesenden schon ein Dauergrinsen in die Gesichter zauberte.


ass cobra

Ass Cobra aus Erfurt schafften es, Turbonegro wie in deren Anfangstagen klingen zu lassen und deren späteren Stadionrock in ein Clubformat zu packen. Das war ganz große Klasse, die Show passte, Turbojugendliche sangen fehlende Textzeilen mit, kleinere Verspieler und deren Umgang damit, machten den Auftritt und die Band sehr sympathisch.


Day #1, 9.7.2026

zerynthia

Zerynthia packten die Jahre zwischen 1970 und 1973 in ihre Musik. Insgesamt war es ein Best of aus diesem Zeitabschnitt, ohne dass man die damals üblichen nölenden, quietschenden, leidenden und sonstigen stimmlichen Eskapaden ertragen musste. Die Band nahmen sich ein bisschen Krautrock, Spacerock, Psychedelic, ein bisschen Doom und machten daraus spannende Songs.


o.r.b.

O.R.B. bedeutet organic Rockband und so waren dann auch ihre Songs aufgebaut. Wie schon bei Zerynthia bewegte sich die australische Band im gleichen Zeitraum, nur sie bedienten sich bei Jams à la Deep Purple und den jazzigen Grooves bei Black Sabbath, mischten das mit etwas Doom und Hardrock. Die permanenten Rhythmus- und Genrewechsel hilten die an sich langen Songs spannend.


margareta witch cult

Heavy Rock aus Birmingham, ohne sich bei Black Sabbath oder Judas Priest zu bedienen, und dennoch zu rocken? Ja, ganz große Kunst, einen so eigenständigen, harten Sound zu kreieren ohne dass es nach Plagiat klingt. In der Mitte des Konzertes schien der Band etwas die Luft auszugehen, die Songs gingen nicht so nach vorne. Zum Schluss hin legte die Band noch einige Schippen drauf und retteten sich so durch ihren Slot.


hollow ship

Die schwedische Band war eher so beim Jammen, bei dem sich nach mehreren Minuten die einzelnen Instrumente wiederfanden. Das Ganze passierte für mein musikalisches Empfinden eher zufällig. Musikalisch war dies relativ weit von Rock´n Roll entfernt, hier war dann eher eine Affinität zu Jazzrock und Krautrock gefragt.


belzebong

Belzebong ist der Braunkohlebagger in deinem Garten, wenn du eigentlich nur eine Schaufel brauchst. Ich habe diese Band schon mehrmals live gesehen und die walzen humor- und kommentarlos alles nieder. Nach deren Konzerten bleibt die kompromisslose Wucht und die die Reduzierung auf riffs und Grooves als Eindruck hängen; als Zuschauer sang man Riffs von Karma to Burn nach, Riffs von Belzebong brüllt man nach.


nightstalker

Es war gut, dass diese Band nach 15 Jahren wieder am Stoned auftraten, es war nicht gut, wie sie auftraten. Die Band hat sicherlich schon bessere Gigs abgeliefert als diesen hier, weil recht wenig zusammen passte; der Sänger traf in den seltensten Fällen den ton, die Abstimmung zwischen Schlagzeug und Bass passte nicht immer, dadurch passte das gesamte Timing nicht, den Songs fehlte der Drive. So sehr ich mich auf diese Band freute, weil es das erste Mal war, so entäuschend war der Auftritt dann auch.


black rainbows

Besser ging es nicht; die italienische Band ließ im Publikum sowohl die Hüften wackeln, die langen Haare wehen und die Köpfe kreisen. Bei dieser Show passte alles: stage acting, Licht, Groove, Härte und natürlich auch die musikalischen Zutaten aus Protopunk, Hardrock und Psychedelic, die mit der nötigen Geschwindigkeit performt wurden. Bislang das beste Konzert. Höhepunkt: das MC5-Cover "Black To Comm".


planet of zeus

Planet of Zeus wurden extra aus Griechenland eingeflogen und trotz aller Bemühungen von Frontman Babis sprang da kein Funken aus Publikum über. Großen Posen und martialischen Auftreten folgten nichts-sagende Songs ohne Refrain, irgendwo zwischen 1990 und 1995 stecken geblieben. Für das Stoned-Publikum eine Spur zu großspurig. 


melkus

Nach 10 Stunden Musik tritt dann auch eine gewisse Sättigung ein, so blieb ich nur kurz bei Melkus und bekam den 10-minütigen Stromausfall nicht mit, den die Band souverän wegsteckte. Musikalisch war das extrem anarchistisch, punkig und DIY, kurz vor Soundcollagen à la Dead Cross. Anstrengend zum Zuhören, die Lässigkeit der Darbietung war beeindruckend.


last bolt ceremony

Aus dem anfänglichen stilistischen Durcheinander und einer greifbaren Unsicherheit der Band wurde im Laufe des Konzertes einer der Höhepunkte des ersten Tages. Gab es anfangs ein 90er Jahre-Mixtape, so konzentrierte sich die Band mit zunehmender Dauer aufs Rocken und Punken, was tatsächlich besser passte als die erste Viertelstunde.


Day #2, 10.7.2026

twenty two toads

Twenty Two Toads beamte uns mit der Grace Slick-Gedächtnisstimme zurück nach San Francisco ins Jahr 1967, womit dann schon alles gesagt wurde, außer dass ich die beste Cover-version von "White Rabbit" als logischer Bestandteil ihrer Musik hörte. Die Zeitkapsel dieser Band umfasst "nur" 1967; in Hinblick auf die Veröffentlichungen - vor allem in den USA - zeigt das musikalische Spektrum dieser Band, die dann auch verdient vom Beach-Bar-Publikum gefeiert wurde.


sheev

Sheev verbanden ihre Vorliebe für Tool UND Stoner zu einer interessanten, spannenden und schlüssigen Mischung. Das Trio servierte walzende Grooves, die selten im 4/4-Takt waren und dennoch groovten. Also eigentlich eine Band für einen Auftritt im Zelt, bei so viel musikalischen Können. Das war ebenfalls ein tolles Konzert. 


krake

Ich sage nur "Loch" und es grenzte an ein Wunder, dass nach dem Auftritt das Zelt noch stand. Dabei war "Loch" nur eines von allen guten Songs, die mit einer harten Punkkante durch Stoner, Sludge und Doom durchgebrettert wurden. 


from yoggoth

Nach so einem Auftritt hat es jede Band schwer, erst recht, wenn man das Publikum zum kollektiven Sprung hinter einen Zug treiben will. Musikalisch konsequent, mit einem an Brachialität nicht mehr zu überbietenden Sound baute die Band riesige Soundwände auf, die mit einem monotonen und gleichzeitig mantraartigen Rhythmus das Publikum mit zunehmender Dauer dann doch zum Bangen brachte.


hästspark

Bei einer Anfahrtszeit von 16 Stunden sollte man sich als Band und Veranstalter schon fragen, ob das zu einem gelungenen Auftritt beiträgt. Offensichtlich ging der Band nach der Hälfte des Sets spürbar die Puste aus und trotz aller Mühe schien dann der Funke auch nicht überzuspringen.


dätcha mandela

Das französische Trio steht in der Tradition von Powertrios à la Triumph, The Rods und Budgie. Starke Riffs, zweistimmiger Gesang und ein Monster an Schlagzeuger, der das Ganze zusammenhält und gnadenlos nach vorne treibt, ohne dabei den Groove zu vernachlässigen. Nach dem Konzert standen mehr Zuschauer am Merch als vor der Bühne, eventuell war das auch der Abkühlung durch die Feuerwehr geschuldet.


fomies

Bis zum Auftritt der Fomies aus Vevey (Schweiz) wusste ich nicht, dass man in einem Lied mit Garage Punk anfängt, um dann über Doom zum tanzbaren Industrial Metal gelangt. Anscheinend will jedes Bandmitglied seine Lieblingsmusik in den Liedern drin haben und dazu noch den authentischen Sound beisteuern. Was bei Deutschen Gruppen spätestens nach zwei Monaten zur Auflösung führen würde, scheint bei dieser Band Programm zu sein. Selten eine solche lässige Performance gesehen.


¡pendejo!

Selbst wenn ich meine rosarote Brille absetze, ist diese Band das Konzentrat dessen, was meine Frau und ich lieben: ironisch-offensive Texte auf Spanisch, einen brachialen Sound auf C gestimmt, einen endlosen Groove, der uns wahlweise zum Bangen und immer zum Tanzen bringt, Pastusos Latino-Körpersprache und eine tighte Show-Band. 


mars red sky & monkey3 & monkeys on mars

Was diese beiden Bands für sich und zusammen an diesem Abend auf die Bühne brachten, sprengte unsere bisherigen Erlebnisse mit beiden Bands. War es bei den bisherigen Sets von Monkey3 so, dass ich bei "Icarus" ob der puren Schönheit dieses Songs weinte, so begannen meine Frau und ich nach 20 Sekunden zu weinen und hörten erst am Ende der drei Sets auf. Gleiches gilt für Mars Red Sky, die anscheinend nur mit Monkey3 außergewöhnliche Auftritte abliefern. Das gemeinsame Set "Monkeys on Mars" toppte beide Sets insofern, dass alle Musiker so dermaßen tight auf den Punkt spielten, sich Platz für Solos ließen und sich gegenseitig ins Limelight schoben. Das war eines der beeindruckendsten Konzerte der letzten 15 Jahre.


s.u.g.a.r.

Nachdem ich dann mit einer Zigarette und einem Bier mir wieder die herausgesprungenen Sicherungen in meinen Kopf zu drehen, hauen mir die Berliner von S.U.G.A.R. melodiösen Rotzrock à la Turbonegro und The Hellacopters um die Ohren, bei dem man vom ersten Takt bis zum Schluss rocken und mitsingen konnte. Das kam da so locker und unaufgeregt von der Bühne, ohne große Posen und Trara. Ein würdiger Abschluss.


Day #3, 11.7.2026

kollektiv raumordnung

So etwas wie Erholung war während des diesjährigen Festivals wohl nicht vorgesehen. wir mussten uns von diesem unglaublichen zweiten Tag erholen, da hörten wir schon Musik von der Beach-Stage. ich entschied mich für Kollektiv Raumordnung, was neben der ansprechenden Optik auch noch eine avantgardistische Mischung aus Doom, Elektro, Psych und Kraut darbot. Also unter Wahnsinn scheint das Stoned niemanden mehr auftreten zu lassen, war dann mein erster Gedanke. Der zweite war: Diese Band auf der Stage um 22h, mit der passenden Projektion und dem passenden Licht und man spart sich den Besuch eines jeglichen Kunstmuseums. Eine Bühnenband, die ich mir zu Hause nicht anhören würde, aber gerne als Gesamtkunstwerk sehen würde.


giöbia

Stefano und seine Spacerocker Giöbia vergaßen zwei Dinge: die fast schon obligatorische Sitar und "Silvermachine" von Hawkwind zu covern. Auch ohne die üblichen Highlights war das Konzert ein straight nach vorne gepeitschtes Stück Hard- und Spacerock, ohne jegliche Pause, der schon früh am Tag das komplette Zelt abdeckte. Highlight: die letzten 5 Minuten; ein Synthy-Loop, ein treibendes Schlagzeug und ein leading bass, der Glück hatte, das Konzert zu überleben.


mr. bison

In den 80er Jahren war die italienische Fußball-Nationalmannschaft top und die italienische Musikszene flop. Seit rund 15 Jahren hat sich dieses Verhältnis umgekehrt und man kommt als Veranstalter nicht umhin, mindestens eine italienische Band zu buchen. Auf jeden Fall sollte man Mr. Bison aus Cecina buchen, wenn man Ian Andersons (Yes) Stimme vor mächtigen Riffs und einer tighten Rhythm-Section hören möchte. Es ist nun schon das dritte Mal, dass wir diese Band live sahen und wir sind immer wieder von der Dynamik der songs und der Präzission dieser Band fasziniert. Die Leichtigkeit ist es, mit der die Band ihre komplexen Songs präsentiert.

mr. bison & the windmill woman

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trash?

Mich überrascht beim Stoned eigentlich nichts mehr, nur das war tatsächlich sehr überraschend und irgendwie auch unpassend, dass man 90er Euro-Thrash mit drei Kaspern eine Bühne gibt.


weedeater

Die meisten Stoner-, Psychedelic und Doom-Bands täten gut daran, auf den Gesang zu verzichten. Dazu gehören meiner Meinung nach neben Elder auch Weedeater. Zu der an sich schon träge vor sich hin schleppenden Musik singt dann einer, der so knapp neben den richtigen Tönen liegt. Musikalisch gibt es die 2-3 Minuten in jedem Song, die ein Killerriff oder einen guten Hook haben. Der Rest ist meiner Meinung nach überflüssig, ebenso wie der Gesang. 


neànder

neànder wurden nach ihrem Auftritt beim Berliner Desertfest 2024 zu einer meiner Lieblingsgruppen, weil sie es schaffen, drei Gitarren hörbar zu machen, ohne dabei einen Soundbrei auf der Bühne zu veranstalten. Dazu bedient sich diese Bands aus Zutaten des Rocks, daher wohl Postrock, und des Metals, daher wohl Postmetal. Schön ist dabei, dass diese Band rockt und nicht auf ihre Schuhe starrt. Bei dem Schlagzeuger bleibt einer Band auch nichts anderes übrige, als gleichzeitig sehr straighte und komplexe Songs zu performen.


rotor

Wenn eine Band ihren Bandnamen auf der Bassdrum stehen hat, und sie Verstärker und Amps mit einem Gesamtgewicht von 700kg zum Konzert schleppt, dann ist "Volllast" angesagt, weil Rotor kurz ´mal vorbeikommt und so etwas von unaufgeregt und lässig tonnenweise Riffs vom Stapel lässt. Klar ist die Band irgendwie auch eine Hausband vom Stoned, die schon 10 Mal hier auftrat. Dennoch ist diese präzise Coolness auf der Bühne immer wieder ein Genuss.


year of the goat

Unsere Erwartungen waren dann doch recht hoch, weil wir diese Band 2014 auf dem Hellfest sahen und komplett begeistert waren. Die Tour im Jahre 2016 war eher ein maues Lüftchen. Das neue Album "Trivia Godess" ist wiederum so überragend, dass wir uns nicht vorstellen konnten, wie und ob die Band diese Songs live spielen wird. 

Bei aller Liebe zu den vorangehenden Bands; keine konnte Year of the Goat das Wasser reichen, sei es kompositorisch, gesanglich als auch instrumental. In dieser Band konnten - überspitzt formuliert - mehr Mitglieder singen als in den Bands der vergangenen drei Tage, die drei Gitarren harmonierten in einer Thin Lizzy-Dauerschleife, um mit den Keyboards zur Rhythm-Section verbunden zu werden. 

Und als wir eigentlich schon satt an Höhepunkten waren, dann spielt die Band "The Witch of the Wood". Perfekt.


Fazit

Das neue Orga-Team hat seine Feuertaufe bestanden. für das nächste Festival könnten für die Auftritte ein paar Dinge berücksichtigt werden.

Wir haben es überwiegend mit Bands zu tun, die Songs zwischen 5 und 10 Minuten spielen, als Zuschauer brauchst man eine gewisse Zeit, um bei unbekannten Bands ins Konzert zu kommen. Bei uns sind das so um die 15-20 Minuten. Dann ist das Konzert 20 Minuten oder 2 songs später schon wieder zu Ende. Somit wären als Mindestspielzeit 50 Minuten angebracht. 

Zudem würde eine umfangreichere Lichtanlage die Musik passender untermalen, gerade bei den progigen Bands. 

Eventuell schafft das Orga-Team dann auch, Ticketkontrollen vor der Einfahrt auf das Campinggelände einzuführen, um tatsächlich nur Festivalgäste darauf zu haben. Die Campingplatz-Auftritte wie von Space Raptor 2014 können im Vorfeld angemeldet werden. 

Ansonsten war es ein fantastisches Festival, zu dem nicht nur Orga und Security beitrugen, sondern auch die Umgebung, die einfach jeden Besucher dermaßen in den Chill-Modus herunterdreht.


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