30 Jahre Die Apokalyptischen Reiter heißt für uns seit 19 Jahren Konzerte, Freundschaft, Inspiration und alle damit verbundenen Emotionen. Und so war es auch dieses Jahr, vor allem weil wir mit unserer erweiterten Familie unterwegs waren, die bei Gründung der Band noch nicht geboren oder gerade im Kindergarten waren. Als Support waren Victorius und Cypecore am Start, die stilistisch nicht unbedingt zu den Reitern passten. Aber wer passt schon zu den Reitern. Das ganze Konzert kann man auf der Spotify-Playlist musikalisch nachhören, leider nicht emotional nachvollziehen, weil jeder Song bei jedem eine andere Facette und Geschichte nach außen kehrt.
Victorius machten in Comic-Verkleidungen Power Metal, der optisch an den Avengers und musikalisch an elektrisch verstärkten, deutschen Schlager angelehnt war. Interessant war die Ankündigung, dass diese Band auf Headliner-Tour gehen wird. Danach wird wohl der Schuldenberater oder der Insolvenzverwalter kontaktiert werden müssen. Bei aller Liebe, man sollte realistisch mit seinen Lebensplänen bleiben.
Cypecore schuf mit zwei extrem kalten und metallisch klingenden Gitarren ein durchwegs monotones Set, der dem Bandnamen dann auch gerecht wurde. Es gab Metalcore und Nu Metal der durchwegs groovte und - da gehe ich von Absicht aus - die Monotonie von Maschinen in einer dystopischen Zukunft vertonen sollte. Trinkpausen unterbrechen den knapp 45minütigen Song.
Nachdem die Bühne mit Weihrauch von alten und bösen Geistern gereinigt wurde, konnte Fuchs als Conférencier durch 30 Jahre Reiter führen und ja es können nicht alle tollen Songs gespielt werden, eventuell ohne Vorbands, aber irgend einer muss ja auch den Nightliner mitfinanzieren. Die Performance mag man als routiniert titulieren, leider ist Kunst in erster Linie Arbeit und anstrengend und ohne Struktur läuft da gar nichts. Die Reiter schaffen es neben ihrer Professionalität immer noch so kleine Reiter-Momente einzustreuen, zum Beispiel als sich partout keine Seemanns-Braut zum Song "Seemann" finden ließ oder dass keiner aus dem Publikum bei "Die Sonne scheint" auf die Bühne kommen wollte, um die Sonne aus seinem Allerwertesten scheinen zu lassen. Das war vor 20 Jahren anders und die Blicke zwischen Volk und Fuchs sprachen Bände.
Ein Drittel des Sets bestand aus "Riders on the Storm". Finde ich nicht schlimm, weil es meiner Meinung nach die beste Platte ist, der Übergang zwischen dem anfänglichen Reiter-Wahnsinn zu einem mehr fokussierten und ausbalancierten Songwriting. Insgesamt spielten die Reiter 20 Songs und nach gefühlten 5 Minuten war das Konzert auch schon wieder um. Petra und ich drehten uns zu unseren Kindern, die staunten nicht schlecht über dieses geniale Mixtape aus Weimar.